Es ist kalt geworden

Es ist kalt geworden in den Schluchten des Balkans. Bisher liegt nur auf den Bergspitzen Schnee, was sich heute ändern soll. So sagst es die Wettervorhersage, mit der ich diesmal mitgehe. Es liegt Schnee in der Luft, und ich habe vorgesorgt. Lebensmittelvorräte sind vorhanden, Holz liegt vor der Hütte und die zweite Gasflasche ist gefüllt. Wenn ich morgen nicht zum Basar kann, weil ich zugeschneit bin, ist das also kein Problem. Dann eben nächsten Freitag. Oder übernächsten …

Zwei auf einen Streich – eigentlich sieben

Heute wurden gleich zwei Beiträge von mir veröffentlicht. In einem geht es um obiges Denkmal in Sofia, auf dem jetzt schon seit über einem Jahr die Figuren fehlen. Der andere Beitrag dreht sich um die bevorstehende Bundestagswahl und die Frage, ob ich wählen gehe. Der erste Beitrag ist zwar über Bulgarien, trotzdem kommt Berlin in ihm vor. Und obwohl der zweite über die Wahl in Deutschland ist, spielt in ihm auch Bulgarien eine Rolle. Die beiden Bilder dieses Blogbeitrags gingen auch online. Insgesamt wurden heute sieben Fotos von mir veröffentlicht. Das beste sind aber die Titel der Beiträge. Bei so viel „Kampf gegen Rechts“ in der Heimat darf ein wenig „Kampf um die Geschichte“ in Bulgarien nicht fehlen. Noch besser ist aber noch „Betreutes Wählen“.

In knapp zwei Wochen wird in Deutschland gewählt, und ich bin in Bulgarien. Lange habe ich über

Queen Becky

Gerade ist Becky wieder bei mir, die Hündin meines englischen Freundes Jerry. Jerry ist in Sofia und gibt Musikunterricht. Jerry ist Musiker, sein Instrument ist das Saxophon. Eigentlich ist Jerry eine „cat person“, aber bei Becky, ein Straßenhund aus seinem Dorf, konnte er nicht Nein sagen. Und ich kann es auch nicht. Becky ist mein treuer Begleiter. Deswegen hat sie auch ihren eigenen Stuhl. Es ist kein einfacher Stuhl, sondern ein Thron. Der Thron ihrer Majestät Queen Becky.

Unter Menschen

Am Freitag war ich unter Menschen. Ich bin in die Stadt zu einem Klassik Konzert gefahren. Wie ich bereits schrieb, sind auch in Bulgarien die wurzellosen Städter sehr verwestlicht. Mit verwestlicht meine ich unverbunden. So wie die Dame neben mir, die nichts besseres zu tun hatte, als alle fünf Minuten ihr Smartphone herauszuholen, um zu sehen, ob da eventuell neue Nothing-About-Nothing-Nachrichten angekommen waren. Kein Gedanke daran, dass der Mensch neben ihr ungestört und ohne lästige Ablenkungen der Musik lauschen möchte. Obwohl das der Grund ist, warum man in ein Konzert geht. Zumindest ist das bei mir so. Bei der Frau offensichtlich nicht. Sie selbst fühlte sich vermutlich mit der Welt verbunden, aber eben nicht mit ihrem Nächsten. Ein kluger Kopf, wer genau habe ich gerade vergessen, meinte einmal: „Hell Is Other People“.

Alleine im Ohrensessel

In Thomas Bernhards 1984 erschienen Roman „Holzfällen – Eine Erregung“ kommentiert der Ich-Erzähler in einem Ohrensessel sitzend eine Wiener Abendgesellschaft, zu der er eingeladen wurde. Ich habe keinen Ohrensessel, und bin auch nicht in Wien, sondern in den Schluchten des Balkans, wo es auch keine Abendgesellschaften gibt. Einladungen gibt es dagegen schon, so ist es nicht. Die bulgarische Gastfreundschaft ist bis heute sprichwörtlich – zumindest auf dem Land. Die Menschen in den großen Städten sind auch in Bulgarien verwestlicht, wenngleich zwischen meinem Berliner Stadtbezirk, dem Friedrichshain, und dem hipsten Stadtbezirk von Sofia Welten liegen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Grüne Partei, die es auch in Bulgarien gibt, überhaupt noch zu Wahlen antritt. 2014 erreichte sie bei den Parlamentswahlen 0,2 % also 7.456 Stimmen, und das landesweit.

Zurück zu mir und meinem Sessel in den Schluchten des Balkans, auf dem ich viel Zeit verbringe – alleine. Immer mehr Menschen können heute nicht mehr alleine sein. Auch dieses Phänomen ist in den großen Städten ausgeprägter als auf dem Land. Ich weiß, wovon ich rede. Ich hatte schon den ein oder anderen wurzellosen deutschen Städter bei mir zu Gast, der auf sich zurückgeworfen eine Schreibblockade entwickelte, dummes Zeug erzählte oder gar depressiv wurde. Seither schaue ich mir die Leute genauer an, die mich besuchen wollen. Im Ernstfall ziehe ich es vor, alleine zu bleiben. Für einen trockenen Alkoholiker ist das Alleinsein nicht ganz ungefährlich. Mit sich alleine ist ein Alkoholiker in keiner guten Gesellschaft, so sagt man. Ich muss also wirklich aufpassen.

Andererseits ist das Alleinsein auch eine Chance. Gerade höre ich einen Podcast über die Ideen von Carl Gustav Jung, dem neben Wilhelm Reich wichtigsten Schüler von Sigmund Freud. Jung ist vom in Sofia ansässigen Ost-West-Verlag komplett ins Bulgarische übersetzt. Das fällt mir ein, weil ich neulich in Sofia war und dort auch im „Ciela Books & Music Bookstore – Rektoratsunterführung“, also an der Universität. Natürlich ist auch Freud komplett übersetzt, bei Reich bin ich mir nicht sicher. Doch zurück zu Jung, an den ich bisher nicht rangekommen bin. Das ist gerade dabei, sich zu verändern. Der Grund dafür ist der bereits erwähnte Podcast und auch seine Kommentare.

Von der Permanenten Revolution zur Permanenten Pandemie

Der ein oder andere erinnert sich noch an die Aussage unseres früheren Innenministers Thomas de Maizière, dass ein Teil der Antworten die Bevölkerung verunsichern würde. Damals ging es nur um ein Fußball-Länderspiel in Hannover, das im letzten Moment abgesagt wurde. Jetzt, zehn Jahre später, würde eine Wahrheit das ganze Land erschüttern. Und das darf auf keinen Fall passieren. Deswegen wird die Wahrheit genauso abgesagt wie damals das Fußball-Länderspiel. Dann besser Permanente Pandemie, die Fortentwicklung der Permanenten Revolution, also die bruchlose Entwicklung von der demokratischen zu einer totalitären Revolution in halbfeudalen oder in zurückgebliebenen kapitalistischen Ländern, zu denen Deutschland mittlerweile gehört.

PS: Ich kenne Bastian Barucker, ich schätze seine Arbeit und kann das aktuelle & aufschlussreiche Interview mit ihm jedem empfehlen, der sich für das Thema Corona-Aufarbeitung interessiert.