Bericht aus Amerika (039) – „I’m a Man – Yeah!“

Gestern im Roadhouse gab es auch eine Jukebox, um genau zu sein in der Bar. Als ich dort eintrat, lief gerade obiger Song von Muddy Waters. Wenn ich den Text richtig verstehe, insbesondere diese Zeile: „All you little girls, sittin‘ out that line. I can make love to you woman, in five minutes time.“, war Muddy Waters ein früher Till Lindemann. Im Gegensatz zu Till Lindemann, wo die armen „little girls“ in der „row zero“ stehen mussten, saßen sie bei Muddy Waters noch und warteten. Und noch etwas scheint anders zu sein, vielleicht das wichtigste: Niemals hat sich eine von ihnen über Muddy Waters beklagt. Weder über seine Musik, noch über seine Texte, geschweige denn über ihn als „Man“.    –   Aber vielleicht kommt das ja noch.
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Bericht aus Amerika (038) – „Gestern im Roadhouse“

Fensterlos und mit großem Grill in der Mitte

Gestern waren wir in einem fensterlosen Roadhouse, für mich ein Steakhouse, mit angeschlossener Bar, ebenfalls fensterlos. Es ist eine Tradition, dass wir Steak essen gehen, wenn ich hier bin. Da wir hungrig waren, gehörten wir zu den ersten Gäste, weswegen die Lokalität noch leer war. Während mein Steak auf dem Riesengrill mitten im Roadhouse zubereitet wurde, ging ich rüber in die Bar, wo die weiteren Aufnahmen entstanden. Man kann sein Steak auch selbst zubereiten und 50 Cent dabei sparen. Da ich nur selten Steak esse, in Deutschland gar nicht, überlasse ich das lieber den Fachkräften. Mein Steak war zweimal Medium, nämlich Medium groß und Medium durch. Geschmacklich war es excellent. Ich werde den Abend so schnell nicht vergessen, weswegen „What Happens Here Never Happened“ für mich nicht zutrifft. Bei „Guns Don’t Kill People – Drivers With Cellphones Do“ handelt es sich um eine Meinung. Die Welt ist voll von Meinungen, allen voran die Zeitungen von heute. Man ist nicht automatisch derselben Meinung, nur weil man sie liest.

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Bericht aus Amerika (037) – „Viel Lärm um Nichts“

Natürlich gibt es in Amerika auch Menschen mit Waffen, wenngleich nicht in meiner Nachbarschaft. Es wird auch geschossen hier, im Moment vorzugsweise auf Bierdosen. Auch wenn diese voll sind, so ist es doch viel Lärm um Nichts, was aber nicht an dem Bier in den Dosen liegt, das diesen Namen nicht verdient. Ich weiß das, weil ich einst viel Bier getrunken habe. Das ist einige Zeit her. Seitdem trinke ich Wasser, was ich mir immer direkt an der Quelle abfülle. Meine Flaschen, in die ich das Wasser abfülle, sind aus Glas und haben keine Werbung. Ich erwähne das, weil es bei dem Rumgeballere hier in Amerika gerade gar nicht um das schlechte Bier in der Dose, sondern um die Werbung auf ihr geht, die vielen nicht schmeckt.
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Bericht aus Amerika (036) – „Kein Wild am Spieß“

Hirsche im Vorgarten
Auch in Amerika lebe ich in der Natur. Höre ich in Bulgarien die Schakale in der Ferne heulen, grasen hier die Hirsche friedlich im Vorgarten. Warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, Wild am Spieß aus ihnen zu machen, ist mir ein Rätsel. Angeblich mangelt es an Waffen in der Neighborhood, was ich insoweit bestätigen kann, dass ich noch niemanden mit einer Waffe gesehen habe hier. Aber gut, dass habe ich in Bulgarien auch nicht. Schüsse zum Start der Jagdsaison im September habe ich dort aber schon vernommen. Bei mir im Dorf hat man auch schon mal ein junges Wildschwein eingefangen, es groß gezogen und später gegrillt. Man braucht also keine Waffe, um Wild am Spieß zu machen. Aber das weiß man in Amerika nicht. Amerikaner sind nicht gerade praktisch veranlagt. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Bulgaren sind die besseren Überlebenskünstler.
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Bericht aus Amerika (035) – „Die USA“

Selbst Obdachlose sind supernett und freundlich hier

Auf dem Flug nach Amerika las ich eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Die USA“. Dem Autor aus Deutschland fiel folgendes hier auf: Erstens die Höflichkeit. Zweitens die Freundlichkeit. Drittens die Abwesenheit von Aggressionen. Er wurde von den Amerikanern pausenlos nach seinem Befinden gefragt, und ob man ihm helfen könne. Er berichtete weiter von einer Fahrradpanne, und dass nach nur zwanzig Sekunden ein tätowierter Muskeltyp kam und sein Fahrrad reparierte. Seine Finger waren danach voller Schmieröl, er lächelte aber und sagte: „Wie schön, dass ich helfen durfte.“ – Deutsche würde gerne sagen, dass Amerikaner oberflächlich sind und es nicht ernst meinen. Dem Autor ist das egal. Lieber lässt er sich von jemandem unehrlich bei einer Panne helfen, als ein typischer Deutscher zu sein, den er so beschreibt: Er bereitet für sich und seinen Hund, den er aus einem spanischen Tierheim befreit hat, eine vegetarische Mahlzeit zu, überweist am Computer 100 Euro an Amnesty International, unterzeichnet schnell eine Solidaritätsresolution für arbeitslose Roma aus Rumänien, dann verlässt er seine Wohnung. Im Treppenhaus begrüßt er seine Nachbarin mit den Worten: „Sie alte Schlampe! Wenn Sie noch mal Ihren Müll neben die Tonne stellen, verklage ich Sie!“ Dann fährt er, natürlich mit dem Fahrrad, zur Antikriegsdemo. Auf dem Weg dorthin zerkratzt er mit seinem Schlüssel noch rasch ein Auto, dessen Stoßstange zehn Zentimeter weit auf den Fahrradweg ragt. – Abgesehen von der „Antikriegsdemo“, die heute eine Demo für mehr Waffen für die Ukraine wäre, deckt sich die Schilderung mit meinen Erfahrungen. Wer die ganze Geschichte lesen will, schreibt mir eine e-mail. Dann bringe ich das Buch zurück nach Berlin.

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Bericht aus Amerika (034) – „Die Recycling Stasi“

! Diese Seite zur Straße !

Spätestens nachdem die Bekanntmachung von „The Soup Nazi“ durch die Sitcom „Seinfeld“ das Leben des echten Suppen-Nazis ruiniert hat, muss man auch im „Land of the Free & Home of the Brave“ vorsichtig sein mit Nazi-Vergleichen. Deswegen bin ich auf „Die Recycling Stasi“ ausgewichen. Die Recycling Stasi schreibt nicht nur vor, mit welcher Seite du die Tonne an der Straße abzustellen hast. Nein, die Recycling Stasi hat darüber hinaus Kameras im Inneren ihres Recycling Autos, mit denen sie deine Recycling Only Tonne beim Ausschütten auf nicht recycelbares kontrolliert. Was recycelbar ist und was nicht, weiß nur die Recycling Stasi. Reicht in Deutschland fürs richtige Recyceln der Bachelor, braucht man in Amerika dafür einen Master. Da Strafen fürs falsche Recyceln, die erst im Nachhinein erfolgen, sehr hoch sind, versucht der gemeine Amerikaner sie zu vermeiden, indem er praktisch nichts mehr recycelt. Genauso wie in Bulgarien, wo alles, egal ob recycelbar oder nicht, in der Trash Tonne landet. Eigentlich trennt nur der Deutsche noch. Verbrannt wird aber auch bei ihm am Ende alles zusammen.

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Bericht aus Amerika (033) – „Gone fishing“

Dickes Auto
Großes Boot

Gestern war ich mit Freunden angeln, was in Amerika „fischen“ heißt. Auch in Bulgarien gehe ich hin und wieder mit Freunden angeln. Dort hat man einen Angelhaken mit einem Wurm dran – that’s it. In Amerika ist angeln eine große Sache, so wie das Land. Man braucht ein dickes Auto mit einem großen Boot hinten dran, das – ganz wichtig! – zwei Motoren hat. Mit dem kleinen Motor kann man ganz langsam fahren, mit dem großen ganz schnell. Dann braucht man noch ein Sonar, das anzeigt, wo Fische sind. Fangen tut man Fische aber meist da, wo das Sonar keine Fische anzeigt. Der Wasserstand am New Bullards Bar Dam and Reservoir ist aktuell, das soll nicht unerwähnt bleiben, 100 Feet, also 30 Meter über normal. Demzufolge hat sich auch noch niemand auf dem Wasser festgeklebt, auf dem man, wenn man kein großes Boot mit zwei Motoren hat, mit schnellen und viel Lärm machenden Jet-Skis die Ruhe stören kann. Um uns von dem Krach etwas abzulenken, haben wir Radio gehört. In Bulgarien hätte totale Stille geherrscht, vermutlich Totenstille. Ist ja kaum noch eine Menschenseele in Bulgarien, sind ja alle in Amerika. In sechs Stunden haben wir gestern sieben Salmon, also Lachs, groß wie Forellen geangelt, was ganz OK ist. In Bulgarien, wo wir nicht in Frischwasser sondern in trüben Gewässern angeln, ist nicht nur der Fisch kleiner als in Amerika, sondern auch ein anderer, beispielsweise Rotfedern. Man braucht auch kein dickes Auto, kein großes Boot mit zwei Motoren und auch kein Sonar. Man sitzt einfach nur da und schaut hin und wieder, ob ein Fisch angebissen hat.

Obligatorisches Sonar
Salmon / Lachs
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