Bericht aus Bulgarien (134)

Kostadin Kostadinow im Interview
letzten Mittwoch vor dem bulgarischen Parlament in Sofia

Dass der bulgarische Ministerpräsident Kiril Petkow gestern und vorgestern in Washington war, habe ich nicht aus dem Radio, sondern aus dem Internet erfahren. Er soll sich dort mit Joe Biden getroffen und mit ihm über die Bekämpfung der Korruption in Bulgarien gesprochen haben. Ausgerechnet mit dem amerikanischen Präsidenten über die Korruptionsbekämpfung in Bulgarien zu sprechen, darauf muss man erst einmal kommen. Wahrscheinlich hat das Bulgarische Nationalradio „Christo Botew“ das für einen Witz gehalten und deswegen nicht darüber berichtet.

Ministerpräsident Petkow hat auch mit „Fuck the EU“ Victoria Nuland gesprochen, die neulich noch zugeben musste, dass die USA in der Ukraine Bio-Laboratorien unterhalten hat (warum eigentlich? und wofür?), die jetzt dem Russen in die Hände gefallen sind. In dem Zusammenhang fällt mir das Buch „Wie wir sterben. Ein Ende in Würde? von Victoria Victoria Nulands Vater Sherwin B. Nuland ein, das ich empfehlen kann, auch seiner Tochter.

Dann ist Petkow in Washington noch ganz zufällig mit Weltbank-Präsident David Malpass zusammengetroffen und hat sich bei der Gelegenheit seine Belohnung für die Abstimmung im bulgarischen Parlament abgeholt. Letzten Mittwoch hat dort eine Mehrheit für „militärtechnische Hilfe“ für die Ukraine gestimmt. Bulgarien ist seither Kriegsteilnehmer am Stellvertreterkrieg zwischen der USA und Russland, obwohl 80 Prozent der Bulgaren dagegen sind.

Außerdem wurde über „Bulgariens Energieunabhängigkeit und -sicherheit nach dem Ende der Erdgaslieferungen“ Russlands gesprochen, was wohl heißen soll, dass der Bulgare von seiner Weltbank-Belohnung gefälligst teures Freckinggas vom Amerikaner zu kaufen hat. Bulgariens Energieminister Alexander Nikolov, der mit nach Washington gekommen war, wird das direkt vor Ort abgenickt haben.

Über den Stellvertreterkrieg in der Ukraine wurde natürlich auch gesprochen, dafür hatte Petkow seinen Verteidigungsminister Dragomir Zakov mit nach Washington gebracht. Der Umstand, dass nur die stellvertretende Außenministerin Velislava Petrova mit von der Party war, deutet darauf hin, dass über Verhandlungen mit Russland anstelle von Krieg in der Ukraine eher nicht gesprochen wurde.

Krieg in der Ukraine ist nur für den Europäer schlecht, nicht für den Amerikaner. Nulands „Fuck the EU“ gilt nicht nur weiterhin, sondern mit dem Krieg in der Ukraine mehr denn je. Donald Trump hat, warum auch immer, Vicoria Nuland nicht rausgekickt aus dem Außenministerium. Er hätte Europa damit einen großen Gefallen getan. Vielleicht hatten sie ja was miteinander. Bekannt geworden ist darüber nichts, aber „Trump fucked ‚Fuck the EU’ Nuland“ wäre keine schlechte Schlagzeile gewesen.

Die Bulgaren wollen sich auf jeden Fall nicht f***en lassen, deswegen gehen sie heute schon wieder auf die Straße. Ob Petkow dann bereits wieder aus Washington zurück ist, ist genauso ungewiss wie die Frage, ob ich es rechtzeitig zur Demo um 18 Uhr nach Sofia schaffe (auch in Varna am Schwarzen Meer wird demonstriert). Irgendetwas hat gestern angeschmort gerochen unter der Motorhaube meines Autos, komische Klänge hat es dort schon seit einiger Zeit immer mal wieder gegeben.

Gerade kommt Kostadin Kostadinow, der Chef der Partei „Wiedergeburt“, im Bulgarischen Nationalradio „Christo Botew“ zu Wort und erklärt dort, dass Bulgarien derzeit keine Regierung habe, weil die amtierende Regierung nicht die Interessen der bulgarischen Bevölkerung vertritt, die zu 80 Prozent eine Neutralität ihres Landes im Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland wünscht. Auch von ihm noch einmal der Hinweis auf die heutige Demonstration vor dem Parlament in der bulgarischen Hauptstadt.

Später am Tag lese ich in der Neuen Zürcher Zeitung unter der Überschrift „Bulgariens schwerer Abschied von einem übermächtigen Freund“ folgenden Satz: „Es geht auch um die grundlegende Frage, ob Völker überhaupt Freunde sein können.“ – Eine Frage, die die USA so beantwortet hat, dass Amerika keine dauerhaften Freunde oder Feinde, sondern nur Interessen hat. Die Frage, die sich mir stellt, ist nun, warum die altehrwürde NZZ aus der neutralen Schweiz nicht auf die Idee kommt, dass das Interesse Bulgariens Neutralität ist. Dasselbe, was die Schweiz für sich beansprucht.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (133)

Taxis in der bulgarischen Hauptstadt Sofia

Ein Militärexperte meinte gestern im Bulgarischen Nationalradio „Christo Botew“, dass die von der amtierenden bulgarischen Regierung versprochene „militärtechnische Hilfe“ für die Ukraine ein Witz sei, weil man schon für die paar russischen Panzer und Migs im eigenen Land nicht genug Ersatzteile hätte. Schwer zu sagen, ob das mit den Ersatzteilen stimmt. Dass es nur eine Handvoll Panzer und Kampfflugzeuge russischen Fabrikats sind, über die die bulgarische Armee verfügt, das stimmt auf jeden Fall. Für mich ist vor allem interessant, wer und welche Themen zu Wort kommen im staatlichen bulgarischen Rundfunk, der ganz ohne Zwangsgebühren auskommt.

Vorhin ging es dort beispielsweise um die „Anti-Krisen-Maßnahmen“, die seit Ausbruch des Krieges die „Anti-Corona-Maßnahmen“ abgelöst haben. Da die „Anti-Krisen-Maßnahmen“ unten nicht ankommen, möglicherweise weil sie oben gar nicht ernst gemeint sind, werden gerade Straßen blockiert in Bulgarien, und zwar von der Transportbranche, zu der auch das Taxigewerbe gehört, der man angesichts der hohen Spritpreise Hilfen zugesichert hatte.

Um Corona geht es praktisch gar nicht mehr. Das Wort „Anti-Corona-Maßnahmen“ habe ich schon ewig nicht mehr gehört. Das Virus scheint Winterschlaf zu machen, und das mitten im Sommer. Immerhin ist gestern noch ein Bulgare an, mit oder im Zusammenhang mit Corona verstorben. Auf den bulgarischen Straßen haben an dem Tag mit Sicherheit mehr Menschen ihr Leben verloren. 

Am Mittwoch nächster Woche, der 18.Mai, will die Transportbranche den Verkehr auf sämtlichen Straßen in allen Orten des Landes lahm legen, aber nicht um dort Leben zu retten, sondern aus Protest gegen die nicht ankommenden „Anti-Krisen-Hilfen“ im Rahmen der „Anti-Krisen-Maßnahmen“. Möglicherweise bahnt sich in Bulgarien gerade ein ähnliches Szenario an wie neulich in Kanada.

Die bulgarischen Trucker und Taxifahrer sind aber keine „Corona-Maßnahmen-Kritiker“, sondern „Krisen-Maßnahmen-Kritiker“, wobei es bei einer Impfquote von 30 Prozent große Schnittmengen geben dürfte. Ganz genau sind sie keine „Krisen-Maßnahmen-Kritiker“, denn sie kritisieren nur, dass die von der Regierung im Rahmen der „Anti-Krisen-Maßnahmen“ versprochene Hilfen nicht bei ihnen ankommen. Die bulgarischen Trucker und Taxifahrer sind also in erster Linie „Regierungs-Politik-Kritiker“.

Einer Regierung, deren Tage möglicherweise gezählt sind, geht es nach der Diagnose eines Politikpsychologen, der ihr neulich noch „völlige Verblödung“ (auf bulgarisch: „pülen kretinism“) attestiert hat, und der deswegen mit Neuwahlen noch in diesem Monat rechnet. Auch das im Bulgarischen Nationalradio „Christo Botew“.

Dort spricht gerade ein Soziologieprofessor, der meint, dass 99 Prozent der Menschen gar nicht mitkriegen würden, was gerade passiert – Stichwort: „The Great Reset“. Ich dachte, ich hätte mich verhört, weil mir 99 Prozent etwas viel vorkam, aber der Professor wiederholt jetzt die Zahl noch einmal und sagt dazu, dass er nicht nur Bulgaren, sondern alle Menschen meint, und dass das schon immer so war, was mich irgendwie beruhigt.

PS: Während ich diesen Bericht schreibe, wird im Radio der geplante Beitritt Bulgariens zum Euro diskutiert, wogegen jetzt plötzlich alle sind, sowohl die Anrufer als auch die Moderatorin. Die Frage ist, ob der Grund die steigende Inflation in der Euro-Zone oder in Bulgarien ist. In dem Zusammenhang höre ich gerade einen neuen Begriff: „Anti-Inflations-Politik“. Ich persönlich halte die Frage, wo die Inflation höher ist, in der Euro-Zone oder in Bulgarien, für marginal. Aber sie ist wohl wichtig, um später dem anderen den Schwarzen Peter fürs ewige Gelddrucken (Stichwort: „Eurorettung – koste es, was es wolle“, und wenn es eine Inflation ist) zuschieben zu können, denn Schuld sind bekanntlich immer die anderen.

PPS: Meinen Bericht überarbeitend höre ich gerade noch von einem neuen Cocktail mit dem Namen „Long Covid“ – „For ever Lockdown“ gab es vorher schon. Auch wenn beide Cocktails für mich als trockener Taxifahrer uninteressant sind, rechne ich mit weiteren Wortschöpfungen wie „Inflationäre Stagflagtion“ und den „Eine Milliarde Lewa Cocktail“. Ich selbst bleibe bei Mineralwasser, dass ich mir Downtown bei mir im Dorf selbst und umsonst abfülle.

PPS: Parallel zu meinem Bericht schreibe ich an einem „Businessplan“ fürs Berliner Arbeitsamt. Mit seiner Hilfe, ich hoffe, es gibt sie noch, will ich „Desillusionist“ zu werden

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (132)

Am Mittwoch in Sofia vor dem bulgarischen Parlament

In Bulgarien gibt es seit kurzem eine Initiative mit dem etwas sperrigen Namen „Gesamtbulgarischer Marsch für Frieden und Neutralität“. Eine der Mitinitiatorinnen der Initiative ist Sarnela Vodenicharowa, die auf obigem Foto die Frau rechts ist, die der anderen Frau etwas ins Ohr flüstert. Dass Frau Sarnela Vodenicharowa flüstert, flüstern muss, bedeutet aber nicht, dass sie in irgendeiner Weise konspirativ wäre – das nicht. 

Eher das Gegenteil, denn Sarnela Vodenicharowa ist eine Aufklärerin, die in Bulgarien bereits über den Ausverkauf von Bodenschätzen, und da an erster Gold, aber auch von Wasserquellen (kein Witz, in Bulgarien wurden Wasserquellen privatisiert, die neuen Besitzer kommen u.a. aus Kanada) und über genmanipulierte Nahrungsmittel berichtet hat. Konspirativ dürften eher diejenigen sein, die mit dem, worüber Sarnela Vodenicharowa aufklärt, viel Geld verdienen oder in Zukunft verdienen möchten.

Der „Gesamtbulgarische Marsch für Frieden und Neutralität“, den Sarnela Vodenicharowa mitorganisiert, setzt sich, wie der Name es schon sagt, für Frieden und Neutralität Bulgariens im Ukrainekrieg ein. In Bulgarien ist eine große Mehrheit der Bevölkerung für eine Neutralität und gegen jegliche Kriegsbeteiligung, aktuelle Umfragen ergaben 80 Prozent. Trotzdem wurde letzte Woche Mittwoch vom bulgarischen Parlament eine „militärtechnische Hilfe“ für die Ukraine beschlossen, worunter man sich beispielsweise die Reparatur von Panzern vorstellen soll. Nicht wenige Bulgaren gehen davon aus, dass man mit dieser Entscheidung Kriegsteilnehmer geworden ist. Möglicherweise befinde auch ich mich bereits im Krieg.

Bisher ging der Protest gegen die bulgarische Regierung, die im Land keine Mehrheit hat, wie auch, bei 60 Prozent Nichtwähler, von der Partei „Wiedergeburt“ aus. Über Proteste dieser Partei habe ich sowohl auf Multipolar, als auch auf Rubikon berichtet. Nun gibt es den „Gesamtbulgarischen Marsch für Frieden und Neutralität“ von Sarnela Vodenicharowa, mit der mein Freund und Übersetzer Martin Petrushev bereits ein Interview geführt hat, und deren Marsch aktuell auch schon  Proteste gegen eine Kriegsbeteiligung in anderen großen Städten Bulgariens organisiert hat, beispielsweise in Varna und Plowdiw. (Auf deutsch hat Martin Interviews mit Norbert Häring und auch mit mir gemacht.)

Auf dem Protest am Mittwoch in Sofia hat Sarnela Vodenicharowa demokratisch darüber abstimmen lassen, ob der Chef der Partei „Wiedergeburt“, Kostadin Kostadinow, zu den Protestierenden sprechen soll oder nicht. Nachdem sich eine übergroße Mehrheit dafür ausgesprochen hatte, kam Kostadinow aus dem abgeriegelten Parlament und hielt eine kurze Rede, in der er unter anderem über die dort gerade abgefundene Abstimmung berichtete, bei der sich eine Mehrheit für „militärtechnische Hilfe“ entgegen dem Willen einer übergroßen Mehrheit der Bulgaren ausgesprochen hat. Auf der Straße geht es vermutlich nicht nur in Bulgarien gerade demokratischer zu als in den Parlamenten. Jedenfalls alles andere als „barbarisch“ oder gar „untermenschenhaft“, wie es das unterstellte „prorussische“ vermuten lässt.

(In dem Zusammenhang wäre interessant zu erfahren, wie eine Abstimmung über eine deutsche Kriegsbeteiligung oder auch „nur“ Waffenlieferungen in der Heimat ausfallen würde. Vielleicht kann einer meiner Leser etwas dazu sagen, und auch über die allgemeine Stimmung im Land der Dichter und Denker, beispielsweise über eine eventuelle Kriegslüsternheit der Deutschen. Vielen Dank im Voraus!)

Als solches, also als „prorussisch“, wird Bulgarien gerne insbesondere vom Ausland diskreditiert. Wenn dem so ist, dann ist auch die neutrale Schweiz prorussisch. Wer argumentiert, dass sich die Ukrainer mit den gesendeten Waffen „nur“ verteidigen würden, der möge sich fragen, ob dem wirklich so ist, oder ob es nicht eher so ist, dass am Ende auch diese Waffen genau dasselbe Leid verursachen werden, das uns täglich im Fernsehen und im Internet präsentiert wird. Neutralität dagegen würde die Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zwingen.

Auf dem Platz vor dem bulgarischen Parlament habe ich mich mit Menschen unterhalten, die Angst davor haben, dass nun die Nato-Basen, es gibt drei in Bulgarien, angegriffen werden könnten. Ähnliche Ängste gibt es wohl auch in Deutschland bezüglich der US-Air Base in Ramstein. Der Unterschied ist, dass Bulgarien näher dran ist an Russland als Deutschland.

Verhandlungen der beiden Kriegsparteien sind auch ein Ziel des „Gesamtbulgarischen Marsch für Frieden und Neutralität“ von Sarnela Vodenicharowa. Waffenlieferungen oder auch „nur“ militärtechnische Hilfe stehen diesem Ziel entgegen, verlängern den Krieg nur unnötig. Wer weiterhin für Waffenlieferungen eintritt, sollte sich auch fragen, ob er nicht vor allem ein nützlicher Idiot der weltweiten Waffenlobby ist, bei der seit Kriegsbeginn die Sektkorken knallen.

Am Ende werden sich auch in diesem Krieg irgendwann beide Kriegsparteien an einen Tisch setzen und miteinander sprechen müssen, so wie die Amerikaner vor ihrem „glorreichen“ Abzug aus Afghanistan mit den Taliban gesprochen haben, obwohl uns diese zuvor genauso wie jetzt „die“ Russen als böse Untermenschen verkauft worden waren.

Und wenn es nicht so kommen sollte, dann Gnade uns Gott.

Foto&Text TaxiBerlin 

Bericht aus Bulgarien (131)

Mein Bürgermeister

Joachim ist in seinem „Bericht aus Bremen“ positiv aufgefallen, dass ich meinen Bürgermeister meinen Bürgermeister nenne. Da auch hier gilt, dass Bilder mehr aus tausend Worte sagen, habe ich mich dazu entschlossen, eines von ihm zu veröffentlichen. Es zeigt meinen Bürgermeister in unserem Kinosaal, wo er anlässlich des Osterfestes zu seinen Bewohnern gesprochen hat. Organisiert haben das Fest die Bewohner selbst, damit hatte mein Bürgermeister direkt nichts zu tun. In seiner kurzen Ansprache am Ende der Veranstaltung bedankte er sich für die zahlreichen Darbietungen von Alten und Jungen und gab darüber hinaus seiner Hoffnung Ausdruck, dass es jetzt wieder aufwärts geht, die Depression vorbei ist. – Ob der Taxikollege, der mir gestern eine e-mail geschrieben hat, und der so freundlich war, sämtliche am Ende dieses Beitrags erwähnten Beiträge des ZDF für mich in eine Cloud ohne Geoblocking zu packen, unter Depressionen leidet, kann ich noch nicht sagen. Was ich weiß, ist, dass er ein „freundlich verbundener stiller Mitleser meines Blogs“ und auch ein „nach 22 Jahren arbeitslos gewordener Taxifahrer in Berlin“ ist. Da ich gerne mehr über ihn erfahren möchte, habe ich ihn gebeten, so wie Joachim einen Bericht über seine aktuelle Situation zu verfassen, den ich dann auch veröffentlichen würde. Gerne auch ohne Foto und sogar unter Pseudonym. Ich bin schon gespannt auf seine Antwort.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (130)

Russisches Kultur- und Informationszentrum in Sofia

Pünktlich zum heutigen „Tag der Befreiung“, der in Bulgarien morgen begangen wird, an dem im letzten Jahr in der deutschen Hauptstadt noch galt „Wer nicht feiert, hat verloren“, habe ich gestern folgendes Zitat von Lao Tse gefunden: „Wenn du dich darum kümmerst, wie andere dich sehen, wirst du immer ihr Gefangener sein.“

„Tag der Befreiung“ – in Bulgarien am 9. Mai

Fotos&Text TaxiBerlin

Unterirdischer Balkan Heimweh Blues

 

Mein Freund Bob machte mich vorgestern auf den Remake einer seiner bekanntesten Songs aufmerksam, und zwar vom „Subterranean Homesick Blues“, was auf deutsch etwa „Unterirdischer Heimweh Blues“ heißt, und was mich daran erinnert, dass neulich von mir in Wien der „Balkan Blues“ erschien. Bobs Remake seines alten Hits kam also zur rechten Zeit, auch wenn ich bei „I’m on the pavement thinking about the government“ aus dem „Bürgersteig“ die „Schluchten des Balkans“ machen würde, das mit dem „get jailed“ kann bleiben. Das habe ich dem Bob jetzt auch vorgeschlagen, der bis 2024 auf Tour ist. Mein Freund Bob, der dafür bekannt ist, seine Songs bei jedem Konzert anders zu spielen und auch zu singen, hat mir auch bereits geantwortet und versprochen meinen Hinweis beim nächsten live Vortrag seines „Unterirdischen Heimweh Blues“ zu berücksichtigen.
Video BobDylan
Text TaxiBerlin

„Abschließende Auskunft“ vom ZDF

 

Die nächste Rate für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird nächste Woche fällig, und ich überlege ernsthaft, ob ich sie noch bezahlen will, noch bezahlen kann. Auch als eine Art Notwehr, wie auch mein ganzes Schreiben an erster Stelle aus Notwehr geschieht.

Wie bereits in Berlin, so habe ich auch in den Schluchten des Balkans kein Fernsehen, ich schaue mir auch im Internet keine Sendungen von Öffentlich/Rechtlich an, höre nur gelegentlich mal beim Deutschlandfunk oder bei Radio Kultur rein. Im Normalfall läuft bei mir das Bulgarische Nationalradio „Christo Botew“, das ganz ohne Zwangsgebühren auskommt. In der Regel lausche ich aber klassischer Musik von CD.

Die Frage, die sich mir gerade stellt, ist ganz genau folgende: Bin ich bereit fürs Nichtbezahlen von Gebühren, die ich für nicht gerechtfertigt halte, einfach weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht seinem gesetzlichen Bildungsauftrag nachkommt, das Gegenteil scheint mir der Fall zu sein, ins Gefängnis zu gehen (der juristische Fachbegriff dafür ist „Beugehaft“) oder nicht? Und da komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass ich dazu bereit bin.

Vor vielen Jahren habe ich schon einmal die Bekanntschaft mit drei verschiedenen Gefängnissen hier in Bulgarien gemacht, und ich kann sagen, dass mich nichts dorthin zurückzieht. Andererseits würde ich mich, bevor ich mich impfen lasse, auch lieber ins Gefängnis begeben oder wo sie einen auch immer hinstecken. Mit der Impfung scheint es mir so zu sein wie mit dem Bildungsauftrag. Denn weder die Impfung noch der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfüllen die Aufgabe, die sie zu erfüllen vorgeben, behaupten aber weiterhin, dies zu tun.

Aktuell überlege ich angesichts der Antwort vom ZDF auf meine Anfrage bezüglich ihrer Serie „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ nur einen Teil der Zwangsgebühren zu bezahlen, sagen wir ein Drittel oder wegen mir auch die Hälfte.

Da ich weiß, dass eine Teilzahlung in diesem Fall keinen Sinn macht, weil es „ein bisschen Gebühren“ nicht gibt, genauso wenig wie „ein wenig schwanger“, läuft es auf die Entscheidung „Alles oder Nichts“ hinaus. Eine solche Entscheidung lehne ich eigentlich ab, genauso wie ich das „schwarz/weiß Sehen“ ablehne, was ich aber immer öfter auch bei Öffentlich/Rechtlich, die mit dem Bildungsauftrag, antreffe.

Gleichzeitig muss ich zur Kenntnis nehmen, dass die Kommunikation nicht nur zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern zwischen der Regierung und den Regierten allgemein gestört ist in unserem Land. Beim ZDF komme ich mir vor, als würde ich mit einer Mauer sprechen, und dann kann ich auch gleich hinter Mauern sitzen.

Damit meine Leser sich ihr eigenes Bild von der Nichtkommunikation machen können, gebe ich nachfolgend die Antwort des ZDF auf meine Anfrage wieder, bei der es sich um die „abschließende Auskunft“ des Zweiten Deutschen Fernsehens handelt, was wohl heißen soll, dass weitere Anfragen meinerseits unerwünscht sind.

Das ZDF stellt in seiner Antwort fest, dass es sich bei der Serie „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ um eine fiktive Erzählung handelt, die zwar an der Lebenswirklichkeit anknüpft, für sich aber erkennbar nicht den Anspruch erhebt, diese Eins zu Eins wiederzugeben.

Das ZDF stellt darüber hinaus fest, dass das Unternehmen Uber in ihrer Serie nicht beworben wird. Daran würde auch der Umstand nichts ändern, dass das Unternehmen im Titel der Sendung genannt wird, denn der Titel der Serie und deren Thema stehen im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben des ZDF.

Diese sehen wiederum vor, dass man nicht nur im Falle von journalistischen Gründen berechtigt sei, Firmen im Programm zu nennen oder abzubilden, sondern ausdrücklich auch aus künstlerischen Gründen.

Vor allem den Hinweis auf die „künstlerischen Gründe“ finde ich wichtig, weil Kunst heute Alles und Nichts bedeuten kann. Im Falle von „Aus den Tagebuch eines Uber-Fahrers“ bedeutet Kunst wohl weniger als Nichts. Ich würde so weit gehen und sie als „Negativ-Kunst“ bezeichnen, die es genauso gibt wie „Negativ-Zinsen“.

Mein Vorschlag, die junge Zielgruppe von ZDFneo, die möglicherweise die Serie für Eins zu Eins nimmt, am Anfang darauf hinzuweisen, dass dem nicht nur nicht so ist, sondern dass ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofes, des höchsten deutschen Gerichts, in letzter Instanz das in der Serie dargestellte „Geschäftsmodell“ des Unternehmens für rechtswidrig erklärt, wurde vom ZDF angelehnt.

Da ich selbst die Serie nicht sehen kann in Bulgarien, aus irgendwelchen Gründen ist dies selbst im weltweiten Netz „in diesem Land nicht möglich“, was ich aber gar nicht schlimm finde, im Gegenteil scheint mir das bulgarische Internet praktisch dem Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Heimat nachzukommen, hat sich ein Leser meines Blog die Mühe gemacht, die „Negativ-Kunst“ des ZDF anzusehen. 

Für seine Tapferkeit danke ich ihm auch von dieser Stelle noch einmal ausdrücklich. Seine Einschätzung, möglicherweise ist auch sie „abschließend“, auch weil ich der öffentlich-rechtlichen Verblödung in Deutschland keinen weiteren Raum geben möchte auf meiner Seite, liest sich so:

„Habe gestern noch drei Folgen gesehen. Weiterhin ist der UBER-Fahrer der Gute. Damit er nicht in seinem Auto übernachten muss, bietet er sich als Haushüter an, wenn die Besitzer im Urlaub sind. Er ist immer und überall der Gutmensch und das ist es, was laut Sendung wohl alle UBER-Fahrer im Gegensatz zum Taxifahrer ausmachen.

Ein Beispiel: In der zweiten Folge hat ein Taxifahrer ihn gestoppt und behauptet, er hätte ihn auf der Autobahn geschnitten. Die Fahrgästin ist daraufhin ausgestiegen und hat an seine Scheibe geklopft. Als der Taxifahrer die Scheibe runterfuhr, hat sie ihm ihren Kaffee-to-go auf die Hose geschüttet.

Also: Nieder mit den Taxifahrern und aufstehen für UBER-Fahrer!

Der Taxifahrer wurde natürlich übel dargestellt, im Prinzip der Anti-Menschenfreund. Superschöne schwarz/weiß Darstellung.

Ansonsten spinnt sich eine schwachsinnige Geschichte an die andere und es „menschelt“ an allen Ecken und Enden. Soll ja auf die Zielgruppe ZDF-Neo, also die Generation Z zugestrickt sein, die aus einem riesigen Kick „Wokeness“ gepaart mit der Möglichkeit sich auch ordentlich zu empören (die Taxifahrer, seine Freundin, die ihn als Samenspender tituliert, etc.) besteht.

Das Markenzeichen dieser Generation ist das sich Empören als herausragendste Eigenschaft; Arbeit eher nicht. Warum auch, Mama und Papa werden es so lange sie leben schon richten.“

PS: Das ZDF wies mich darauf hin, dass folgende Sendebeiträge in der ZDFmediathek immer noch abrufbar wären:  „Uber-Fahrer: kaum faire Bezahlung“, „ZDFzoom – Kampf um Kosten, Kilometer und Kunden“; „Uber-Fahrer: Angestellte, nicht selbstständig“, „Das Reförmchen“ „Und die Fahrer gucken in die Röhre“. Falls das jemand überprüfen mag, kann er mich gerne über das Ergebnis seiner Recherche und gerne auch über den Inhalt der Beiträge informieren. Vielen Dank im Voraus!

Text TaxiBerlin