„Ein Männlein steht im Walde“

„Ein Männlein steht im Walde“, wer kennt ihn nicht, diesen Liedanfang? Wahrscheinlich niemand! Bestimmt ist das Lied schon gegendert. Immerhin handelt es sich bei dem Männlein um eine Sie – die Hagebutte. Mir ist das egal. Ich habe sie trotzdem gepflückt. Obwohl ich jetzt, wo ich darüber schreibe, realisiere, warum das Pflücken nicht so ganz ohne war. Denn die Hagebutte hat Dornen wie eine Rose – auch eine Sie. Außerdem muss man jede Hagebutte einzeln abpflücken, genauer abreißen, was die Sache sehr aufwendig macht. Aber damit ist es nicht getan. Danach, nach dem abreißen, beginnt erst die eigentliche Arbeit: Waschen und Putzen. Dann erst geht’s ans Einkochen oder auch Einmachen. Aber, und jetzt kommt das große ABER: die Hagebutte hat harte Kerne, die beim Einkochen nicht weich werden, wie bei anderen Früchten, sondern immer härter, so dass man sie auf keinen Fall mitessen kann. Man muss die Kerne und am besten auch die harte Haut der Hagebutte irgendwie loswerden. Mir hat dabei ein Sieb geholfen. Das darf nicht zu fein aber auch nicht zu grob, dass die Kerne durchpassen. Eine Heidenarbeit. Vier Stunden habe ich für vier kleine Gläser Hagebuttenmarmelade gebraucht. Und warum das alles? Um meine Abwehr zu stärken! Eine starke Abwehr ist wichtig in diesen Tagen und wird wahrscheinlich noch wichtiger werden demnächst. Wir wissen nicht was kommt. Die Hagebutte enthält auf jeden Fall viel Vitamin C, was der Abwehr hilft. Angeblich enthält die Hagebutte auch viel Pektin, was hilft, dass beim Einkochen daraus Marmelade wird. Dieses Pektin muss meinen Hagebutten gefehlt haben, weswegen die Marmelade flüssig geblieben ist, und ich heute nochmal ran muss. Die verschlossen Gläser, ohne Etiketten übrigens, öffnen, alles zusammengießen und noch einmal aufkochen, mit Pektin diesmal. Eine Heidenarbeit, diese Hagebutten. Erst nicht ganz ungefährlich wegen den Dornen, dann sehr zeitaufwendig und am Ende fehlt wieder etwas. Frauen halt.

 

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Dimitroffden

Mein Holz – gestapelt und nummeriert

Gestern läuteten plötzlich die Glocken, als ich gerade Downtown im Dorf war. Normalerweise läuten die Glocken der kleinen Dorfkirche nur, wenn jemand gestorben ist. Gestern läuteten sie, weil gestern Dimitroffden war. Der Namenstag von Dimitroff ist deswegen wichtig, weil mit ihm auch der Winter eingeläutet wird. Und es war gut, dass mich die Glocken unserer kleinen Dorfkirche daran erinnert haben. Ich musste nämlich noch mein Holz stapeln, das ich bereits vor einiger Zeit gesägt hatte. Gestapelt habe ich es nun gestern Nachmittag. Ich habe das Holz aber nicht einfach nur gestapelt, sondern, wie es sich für einen richtigen Deutschen gehört, darüber hinaus auch nummeriert. Warum ich mein Holz nummeriert habe, kann ich gar nicht genau sagen. Ich glaube, es hängt mit dem Einwecken zusammen. Schaut man im Internet wegen Einwecken nach, dann erfährt man, dass für den Deutschen die Etiketten das wichtigste beim Einwecken ist. Ohne Etiketten kein Einwecken! Das ganze nur beim Deutschen wie gesagt. Schaut man auf anderen Seiten in anderen Sprachen nach, spielen die Etiketten eine untergeordnete Rolle. Der Bulgare kennt keine Etiketten beim Einwecken. Kein Glas, das mir je in Bulgarien geschenkt wurde, hatte ein Etikett. Niemals! Ich selbst wecke auch ohne Etiketten ein. Aber offensichtlich hab ich das Etikettieren in den Genen. So erkläre ich mir zumindest, dass ich nun mein Holz nummeriert habe. Ob ich es der Reihe nach verheizen werde, ist eher unwahrscheinlich. Vermutlich habe ich unbewusst Angst, jemand würde mir mein Holz klauen. Dass jemand Kohlen geklaut hat, das hat es wirklich gegeben, aber nicht in Bulgarien sondern in Deutschland. Das ist jetzt einige Zeit her. Man nannte diesen Bösewicht damals den „Kohlenklau“. Einen „Holzklau“ gibt es bis heute selbst in Bulgarien nicht.
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„Wollt ihr noch mal ‚ABSTÄNDE EINHALTEN!’?“

Der bulgarische Dudelsack (Gaida)
Mein brüllendes Begleitinstrument

Die Zeit ist nah, da werden wir darüber lachen, dass sich erwachsene Menschen von scheinbar erwachsenen Menschen mit „ABSTÄNDE EINHALTEN!“ anbrüllen lassen mussten. Die ersten lachen jetzt schon, und ich bin gerade dabei ein Lied darüber zu schreiben. Inspiriert dazu hat mich, ich gebe es offen zu, Mike Lehmann. Mike Lehmann hatte in den Neunzigern einen großen Erfolg mit seinem Song „Wollt ihr noch mal Begrüßungsgeld?“. Beim Begrüßungsgeld musste sich niemand anbrüllen lassen. Sein Begrüßungsgeld hat man sich einfach so abholen können. Begrüßungsgeld waren damals 100 Mark, also 50 Euro. Heute wären 100 Mark genau 100 Lewa. Bulgarien hat seine Währung vor vielen Jahren fix 1:1 an die Deutsche Mark gekoppelt. Doch zurück zum „ABSTÄNDE EINHALTEN!“ Gerade übe ich vor dem Spiegel das Schreien. Anfangs fiel mir das nicht leicht, aber jetzt schreie ich gerne: „ABSTÄNDE EINHALTEN!“ Da ich alleine bin, kann ich niemanden anschreien. Und als wenn das nicht schlimm genug wäre, kann ich auch niemanden zur Verantwortung ziehen, beispielsweise verhaften, oder zumindest irgendeine Versammlung auflösen. In Bulgarien habe ich nie jemanden „ABSTÄNDE EINHALTEN!“ schreien hören. Was mir hilft, ist, dass in Bulgarien permanent geschrien wird. Selbst in der Umgangssprache ist das Wort SAGEN unbekannt. Es werden ausschließlich die Wörter SCHREIEN, BRÜLLEN und RUFEN verwendet. Aber wie gesagt, „ABSTÄNDE EINHALTEN!“ hat hier noch niemand geschrien, gebrüllt oder auch nur gerufen. Und das macht es so schwierig für mich, den Song „Wollt ihr noch mal ‚ABSTÄNDE EINHALTEN!‘?“ zu schreiben. Hinzu kommt, dass ich wie gesagt alleine hier in den Schluchten des Balkans bin. Obwohl, ganz alleine bin ich gar nicht. Es gibt da noch meinen Bürgermeister. Ich könnte meinen Bürgermeister mit „ABSTÄNDE EINHALTEN!“ anschreien. Mal sehen, wie er reagiert, was er sagt. Deutsche kann er zwar nicht leiden, aber Deutschland an sich schon. Das Lied „Wollt ihr noch mal ‚ABSTÄNDE EINHALTEN!’?“ ist auf jeden Fall wichtig. Denn da wo gesungen wird, da lass dich nieder! Böse Menschen haben keine Lieder, weswegen sie wohl brüllen müssen. So sagt man doch, oder? Oder gilt das heute etwa auch nicht mehr?
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Auch von Gefängnis war die Rede

Stationäres Zelt vor dem Gebäude der „Volksversammlung“ in Sofia mit der Aufschrift: „Gebt uns das Recht zurück!“

Irgendwann im Laufe der letzten Woche wurde von einen Tag auf den anderen bekanntgegeben, dass Bulgarien den „Grünen Pass“ („Selen Zertifikat“) einführt. Ich habe es, da ich keinen Fernseher habe, den Nachrichten im Bulgarischen National-Radio (BNR) „Christo Botew“ entnommen. Um es gleich am Anfang zu sagen: Ich habe keine Angst vor dem Virus. In meiner Altersgruppe liegt die Überlebensrate bei einer Infektion bei 99,73 % – also wovor sollte ich Angst haben? Demzufolge habe ich mich nicht impfen lassen und habe dies auch nicht vor. Ich habe also keinen solchen Pass. Da man nun in Bulgarien auch für den Supermarkt einen solchen Pass braucht, war klar, dass ich irgendwann noch mal einkaufen muss, und zwar möglichst bald. Da das Bulgarische National-Radio (BNR) „Christo Botew“ auch über Demonstrationen gegen den „Grünen Pass“ in allen großen Städten des Landes berichtete, entschied ich kurzerhand in die Hauptstadt Sofia zu fahren, um mir die dortige Demo anzusehen. In diesen Tagen ist es ratsam, sich sein eigenes Bild zu machen. Das Einkaufen kann warten, sagte ich mir. Ich würde schon nicht verhungern, schon gar nicht auf dem Dorf.

Zugegeben, die Demo in Sofia war kleiner, als ich erwartet hatte. Dazu muss man wissen, dass die Bulgaren in Sachen Arbeit folgendes Motto haben, dass man auch auf die Panikdemie übertragen kann: „Sie tuen so, als würden sie uns bezahlen. Wir tuen so, als würden wir arbeiten.“ Also: „Sie tuen so, als gäbe es eine Pandemie. Wir tuen so, als gäbe es eine Pandemie.“ Viele Bulgaren gehen nicht auf Demos, sondern ziehen sich in ihre Familie zurück, wie es in Krisenzeiten normal ist, obwohl man selbst da eigentlich Abstand halten soll, auch weil in Bulgarien die Familie sehr groß sein kann. Neben dem Simulieren, egal ob Arbeit oder Pandemie, ist es oft hilfreich, sich einfach dumm zu stellen. Früher sagten wir: „Fünf Minuten dumm gestellt, reicht für den ganzen Tag.“ Und das gilt bis heute. Der Bulgare muss auch nicht ständig einkaufen, so wie ich, weil er in der Regel noch die Eltern oder Großeltern auf dem Dorf hat, die ihn mit Lebensmitteln und allem zum Leben notwendigen versorgen. Leben bedeutet hier für viele nicht konsumieren wie im Westen. So gesehen ist es eher ein Überleben und kein Leben.

Auf der Fahrt in die Hauptstadt höre ich im Bulgarischen National-Radio (BNR), dass 86 % der Bulgaren gegen den „Grünen Pass“ sind, und dass die Mehrheit derjenigen, die sich jetzt impfen lassen, sich eigentlich nicht impfen lassen möchten, einfach weil sie, genauso wie ich, keine Angst vor Corona haben. Wer es sich leisten kann, kauft sich einen „Grünen Pass“, der Preis dafür liegt im Moment bei 400 Lewa, Tendenz steigend. Die Mehrheit der Menschen, die sich impfen lassen, tun dies, weil sie es müssen, weil sie sonst ihre Arbeit verlieren, ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, ihre Familie nicht mehr ernähren können. Das ganze, abgesehen von den Informationen über den Kauf eines „Grünen Passes“ und seinen Preis, hörte ich wie gesagt im Bulgarischen National-Radio (BNR) „Christo Botew“, wo auch Demonstrationsteilnehmer ganz normal zu Wort kommen. Also ohne Hinweis darauf, dass es sich dabei um schlimme „Schwurbler“, „Corona-Leugner“, „Verschwörungstheoretiker“ etc. handelt. Bezeichnungen, die es in der bulgarischen Umgangssprache bis heute nicht gibt. In den Statements der Demonstrationsteilnehmer fällt auch das Wort „Diskriminierung“, das unkommentiert über den Äther geht. Dass wir noch einmal vom Bulgaren, der im Westen vor allem für seine Käuflichkeit bekannt ist, etwas über freie Meinungsäußerung lernen würden, wer hätte das gedacht?

Auf der Rückfahrt aufs Dorf, es dunkelt schon, fahre ich in einem Vorort von Sofia an einen Super-Markt ran. Am Eingang weist ein Schild darauf hin, dass der Eintritt nur mit „Grünem Pass“ gestattet ist. Ich überlege kurz, was ich mache, auch weil die Strafen nicht unerheblich sind. Ich hatte etwas von mehreren tausend Lewa Strafe gehört, auch von Gefängnis war die Rede. So wie ich es vorhergesagt habe, wird man Menschen demnächst wegsperren. Andererseits ist es Sonntagabend, also eher unwahrscheinlich, dass noch jemand kontrollieren kommt, wenn am Eingang niemand mehr steht. Zur Not würde ich mich dumm stellen, deutsch sprechen, „nix verstehen!“ sagen, auf mein Recht auf Unwissenheit insbesondere als Ausländer pochen. Natürlich kam kein Kontrolleur. Woher auch, wenn 86 % der Bulgaren gegen den „Grünen Pass“ sind, wie es im Bulgarischen National-Radio (BNR) „Christo Botew“ zu hören war. Ich hatte mal wieder viel zu Deutsch gedacht. Andererseits darf man sich den Job als Kontrolleur auch als einträgliches Geschäft, wenn nicht gar als neues Geschäftsmodell vorstellen. Und für Geld machen manche bekanntlich alles – nicht nur Bulgaren und nicht nur in Bulgarien.

Auf Demonstrationen in Bulgarien ist vieles genauso wie auf Demonstrationen in Berlin und anderswo in der Welt. Polizisten tragen Uniformen und Demonstranten Schilder. Demonstranten stehen und hören Ansprachen, während Polizisten in ihren Autos sitzen und warten, dass irgendetwas passiert, was meistens nicht passiert. Ich würde nicht so weht gehen und sagen, dass der Teufel im Detail steckt, aber doch die Unterschiede. Auf diese, aber auch auf die Gemeinsamkeiten, will ich mit folgenden Fotos aufmerksam machen, auch weil Bilder bekanntlich mehr als tausend Worte sagen.

„Der Grüne Pass ist Diskriminierung und Faschismus“

Die Maske als Hand vor dem Mund, in Deutschland ein Maulkorb.

„Mein Körper – Meine Wahl!“, im Hintergrund die Bulgarische Fahne.

Polizisten ohne Maske und in Schwarzer Uniform, die es vor Corona nicht gab. Auch in Berlin trägt die Polizei seither schwarz.
Woher nur die Schwarzen Uniformen kommen?

Polizisten wartend in ihrem silberfarbenen Polizei-Cabrio der Marke „Audi“, das es vermutlich nur in Bulgarien gibt.
Macht im Sommer definitiv mehr Spaß.

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Warten als Wissenschaft

Warten und Einwecken – das geht auch

Die gestern erwähnten Anrufer, die mich wissen lassen, dass Zwei und Zwei auch weiterhin Vier ist, wollen immer auch wissen, was ich so treibe in den Schluchten des Balkans. Die meiste Zeit sitze ich ohne rechte Haltung, also wie ein Schluck Wasser, auf einem Stuhl und mache nichts. Nichts ist dabei reichlich untertrieben, denn ich warte. Es ist nicht auszuschließen, dass ich auf etwas warte, was nicht kommt. Und wenn schon, es wäre nicht das erste Mal, dass jemand auf etwas wartet, was nicht kommt. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurden schon ganze Theaterstücke darüber geschrieben. Eins davon ist sogar richtig bekannt geworden. Das weiß ich, weil ich manchmal auch arbeite. Dann sitze ich aber nicht ohne rechte Haltung auf meinem Stuhl, sondern liege wie ein Schluck Wasser im Bett und lese. Manchmal arbeite ich auch wissenschaftlich. Wenn ich wissenschaftlich arbeite, liege ich nicht im Bett, sondern sitze so wie jetzt am Schreibtisch und schreibe darüber, was ich zuvor im Bett gelesen habe. Beispielsweise über Theaterstücke, in denen jemand auf etwas wartet, was nicht kommt. Ich sitze dann ebenfalls ohne rechte Haltung, also wie ein Schluck Wasser, auf einem Stuhl. Aber nicht so, wie am Anfang beschrieben nichts tuend, sondern wie gesagt schreibend. Das Schreiben macht das wissenschaftliche aus, aber nicht nur, denn ohne sitzend nichts tun und liegend im Bett lesen kein wissenschaftliches Arbeiten. Letztendlich versuche ich aber auch mit dem wissenschaftlichen Arbeiten nur die Zeit totzuschlagen. Nichts tuend, liegend lesen und sitzend schreiben sind nur verschiedene Möglichkeiten auf etwas zu warten, was wahrscheinlich nicht kommt. Das ist die Wahrheit. Vielleicht kommt es aber auch, worauf ich warte. Das ist nicht auszuschließen. Das weiß man erst zum Schluss. Das ist wie mit dem Lachen, wo der am besten lacht, der am Ende lacht. Wann das Ende ist, das weiß ich auch nicht. Genauso wenig, wie ich weiß, ob das, worauf ich warte, kommt oder nicht. Spontan würde ich sagen, Ende des Jahres ist das Ende. Vielleicht ist auch schon Weihnachten das Ende. Weihnachten kommt mir gerade wahrscheinlicher vor, weil es bis Weihnachten jetzt auf den Tag genau noch zwei Monate hin ist. Wenn das Ende bis Weihnachten nicht gekommen ist, bleibt fürs Warten noch Zeit bis Silvester. Das ist sozusagen die letzte Chance für das Ende, zumindest für dieses Jahr. Wenn es dahin nicht gekommen ist, geht das Warten auf das, was vielleicht nicht kommt, im neuen Jahr einfach weiter.

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99,73 % Überlebensrate bei Covid19-Infektion

 

Die 99,73 % ist keine Meinung und auch kein Fake sondern ein Fakt, und zwar die offizielle Überlebensrate bei einer Covid19-Infektion, auf die eine Studie der Stanford Universität in den USA im Juli dieses Jahres für meine Altersgruppe kommt. Also wovor sollte ich Angst haben? Die Überlebensrate trifft auch auf Raphael Bonelli zu, wir sind eine Altersgruppe. Wie seine Meinung zur Impfung ist, teilt uns der Schulmediziner Univ.-Doz. DDr. Raphael Bonelli in obigem Video mit.

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„Guten Morgen!“

Eselsmilch macht’s möglich

Es melden sich jetzt immer mehr Menschen aus der Heimat bei mir, um mir mitzuteilen, dass ich Recht gehabt habe. Dazu muss man wissen, dass es mir nicht darum gegangen ist, Recht zu haben. Es ging und geht mir um die Wahrheit. Dass es DIE Wahrheit nicht gibt, dass weiß auch ich. Was es aber gibt, sind immer tiefere Wahrheiten. Wahrheiten, die mehr Wahrheit enthalten, wahrer sind als andere Wahrheiten. In dem Fall geht es um die Wahrheit, dass Zwei und Zwei Vier ist. Gilt dies, ergibt sich alles übrige von selbst. Diese Feststellung und auch die Wahrheit sind nicht von mir. Die Wahrheit, dass Zwei und Zwei Vier ist, war in der letzten Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Die Anrufer aus der Heimat wollen mich aber nicht nur wissen lassen, dass Zwei und Zwei auch weiterhin Vier ist. Die Anrufer aus der Heimat wollen immer auch noch einen Rat, den ich natürlich für sie habe. Nicht umsonst habe ich mich in die Schluchten des Balkans zurückgezogen, die jetzt von der Heimat mal wieder zur verbotenen, weil angeblich gefährlichen Zone erklärt wurden. Letzteres stimmt sogar. Die Schluchten des Balkans haben wirklich das Potenzial, klar im Kopf zu werden. Möglicherweise ist das auch der Grund, dass ich den Menschen aus der Heimat, die mich anrufen, um mich wissen zu lassen, dass Zwei und Zwei auch heute noch Vier ist, als erstes „Guten Morgen!“ antworte. Das ist aber nicht der Rat, um den ich ihnen gebe. Der Rat, um den sie mich bitten, und den ich ihnen gerne gebe, ist, Fünfe auch mal gerade sein zu lassen!

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