Der Titel „Bulgaria deserta“ ist von dem Taxifahrerfilm „Night on Earth“ inspiriert. Dort fährt Roberto Benigni durch das nächtliche Rom und muss feststellen, dass die Stadt verlassen ist: „Roma deserta“. Ich bin nicht Nachts sondern am hellichten Tag durch meinen Kiez gezogen, wobei diese Aufnahmen entstanden. Benigni fragt sich, wo all die Römer hin sind. Genau das frage ich mich auch bezüglich der Bulgaren. Benigni meint, sie wären nach Bergamo gegangen. Ob das stimmt? Zumindest hätten sie dann nicht das Land verlassen so wie jeder dritte Bulgare.
In Berlin wird mal wieder gehasst. Das Ganze direkt am Brandenburger Tor und unter dem Motto: „Ganz Berlin hasst die AfD!“ Und die CDU glaube ich auch, ich bin mir aber nicht ganz sicher. Sicher bin ich mir, dass ich niemanden hasse, schon gar keine Partei. Mein Motto lautet „Liebe statt Hass!“ Und da halte ich es mit dem einstigen „Bürgerpräsidenten“ Gustav Heinemann, der auf die Frage nach seiner Liebe zu Deutschland antwortete: „Ich liebe nicht den Staat. Ich liebe meine Frau.“
Das ist Becky, die Hündin meines englischen Freundes Jerry. Obwohl Jerry Katzen lieber mag als Hunde, hat er sie bei sich aufgenommen. Dass das so kam, hat viel damit zu tun, dass für die allermeisten Bulgaren Haustiere an erster Stelle Nutztiere sind, die man nutzt, allzuoft aber auch benutzt, um es mal so zu formulieren. Ursprünglich hatte Becky ein Herrchen, der sie aber irgendwann vor die Tür, also auf die Straße gesetzt hat. Seither war Becky ein Straßenhund in dem Dorf, in dem sowohl Jerry als auch das Ex-Herrchen wohnt. Erst hat Jerry Becky nur gefüttert, irgendwann war sie seine Becky. Eine zeitlang war es so, dass Becky immer noch um die Aufmerksamkeit ihres Ex-Herrchens nicht nur gebellt, sondern förmlich gebettelt hat. Als Jerry mir das erzählte, musste ich sogleich an uns Menschen denken. Nicht wenige betteln da bis heute um die Aufmerksamkeit der von ihnen gewählten Herrchen. In Deutschland ist dieses Phänomen ausgeprägter als in Bulgarien. Vermutlich hat sich das mit dem Betteln bei Becky auch deswegen so rasch gegeben. Vor allem liegt es aber an ihrem neuen Herrchen Jerry, und ein ganz klein wenig auch am Ersatz-Herrchen, bei dem Becky gerade zu Besuch ist und sich Straßenpudelwohl fühlt.
Wenn ich in Sofia bin, gehe ich immer im Sheraton, dem früheren Hotel Balkan, auf die Toilette. Das hat gewissermaßen Tradition, denn ich war schon als Kind auf dieser großräumigen Toilette. Großräumige Toiletten sind für ein kleines Land wie Bulgarien sehr ungewöhnlich. Darüber hinaus sind sie sauber, was noch ungewöhnlicher ist. All dies sind Gründe, warum ich immer wieder die Toiletten des früheren Hotel Balkan aufsuche. Der wichtigste ist aber, dass die Welt dort noch in Ordnung ist. Vermutlich deswegen habe ich mir nicht vorstellen können, dass einmal die Welt zusammenbrechen würde, nur weil jemand sagt, dass der Kaiser nackt ist, also dass es nur zwei Geschlechter gibt. Das mit dem „nackt sein“ ist aus „Des Kaisers neue Kleider“. Die kennt heute keiner mehr, weswegen man es erklären muss, am besten in einfacher Sprache: Es war einmal ein Kaiser, dem erzählte man, dass es tausendundein Geschlechter gibt, und dass alle, die diese tausendundein Geschlechter nicht sehen, dumm sind. Daraufhin sah nicht nur der Kaiser die tausendundein Geschlechter, sondern auch alle anderen. Mit einer Ausnahme: Ein Kind.
Heute bringt mir mein Freund Jerry seinen Hund vorbei. Genau ist es eine Hündin, die auf den Namen Becky hört. Hören tut Becky nicht wirklich, denn Becky ist auf der Straße groß geworden. Das da oben ist übrigens nicht Becky. Das ist ein anderer Hund, der im Nachbarort auf der Straße lebt. Von ihnen gibt es viele in Bulgarien. Nicht so viele wie in Neunzigern, aber immer noch genug.
Ich komm aus dem Lachen heute nicht mehr aus, was an dieser Schlagzeile liegt: „Superreiche fordern in Davos höhere Steuern für sich selbst“. Das ganze erinnert mich an eine Sado-Maso-Beziehung, wo der Masochist sagt: „Schlag mich!“, und der Sadist antwortet: „Nein!“. Dabei könnten die Superreichen sich ganz leicht selbst helfen. Sie müssten sich einfach nur von ihrem Reichtum trennen. Warum das keiner von den selbsternannten Menschenfreunden tut, bleibt ihr Geheimnis. Gut, 70 Prozent sind immerhin der Meinung, dass Superreiche sich politischen Einfluss erkaufen und dass sie die öffentliche Meinung durch die Kontrolle von Medien und sozialen Medien unverhältnismäßig stark beeinflussen. Das trifft aber nur zu, wenn der Präsident Donald Trump heißt. Einer Umfrage zufolge bewerten 63 Prozent der Millionärinnen und Millionäre weltweit den Einfluss von Superreichen auf den neuen US-Präsidenten als Bedrohung für die globale Stabilität. Sie selbst haben natürlich gar keinen Einfluss auf irgendjemand – sie sind einfach nur reich und haben das Problem, dass sie ihren Reichtum irgendwie nicht loswerden. Es ist zum Totlachen.
Hatte ich mich eben noch auf die komischen Seiten von Donald Trump gefreut, komme ich nun aus dem Lachen über die Grünen nicht mehr raus. Das liegt nicht nur daran, dass Moral und Hochmut vor dem Fall stehen. Sondern auch, dass in diesen Fall auch der öffentlich/rechtliche RBB, der Fragen nicht beantworten will, eine Queere ehemalige Bezirksvorsitzende der Grünen in Berlin, die plötzlich aus ihrer Partei austritt, und ein Kanzlerkandidat, der abtaucht, verwickelt sind. Bisher ist nichts bewiesen, aber mein Bullshit-Detektor zeigt nicht Grün sondern Dunkelrot an. In meinem Berliner Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg gab es in der Vergangenheit bei Wahlen immer die höchsten Werte für die Grünen, nicht nur Berlin-, sondern Deutschlandweit. Teilweise lagen sie bei über 40 Prozent. Normalerweise müsste sich das aktuelle Geschehen um Stefan Gelbhaar auf die bevorstehende Bundestagswahl auswirken. Dass dies auch passiert, ist eher unwahrscheinlich. Ich bin deswegen aber nicht traurig, sondern komme auch darüber aus dem Lachen nicht mehr raus.