Außer einer Hundematte nichts gewesen

Vorgestern wurde Michael Ballweg freigesprochen. Außer einer Hundematte und einem Parfümflakon für den „kuriose Kleinbetrag von 19,53 Euro“ war nichts gewesen, sieht man von den neun Monaten Untersuchungshaft und einer Vernehmung mit Handschellen ab. So sieht „unsere Demokratie“ im „besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“ aus. Wer Michael Ballweg nicht kennt, solche Zeitgenossen soll es geben, hat morgen die Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Ob persönlich, das entzieht sich meiner Kenntnis. Mit Sicherheit aber die Bewegung, die er ins Leben gerufen hat. Ich weiß nicht, wie es hierzulande gerade um die Kontaktschuld bestellt ist. Offiziell gibt es sie wohl nicht, was aber nichts zu bedeuten hat. Was ich weiß, ist, dass es sie in Bulgarien nicht gibt. Ob Du zu der Demo „Für ein Leben in Frieden und Freiheit“ heute um 13 Uhr am Brandenburger Tor gehst, das kannst nur Du entscheiden. Fakt ist: „diese Versammlung wurde von Querdenken-30 angemeldet“. Ich werde jedenfalls hingehen, schließlich habe ich schon die ersten vier Demos verpasst. – Da war ich in Bulgarien.

„Freispruch minus 19,53 Euro“

Wer’s glaubt …

Die Michael-Ballweg-Geschichte erinnert mich an die Hartmut-Ferworn-Geschichte, bloß anders rum. Hartmut Ferworn war Koch der Mitropa, einem Serviceunternehmen der Deutschen Reichsbahn in der DDR. Bei seinem Aufenthalt in Budapest (der Hauptstadt von Ungarn!) im September ’89 wurde er mittels einer Mentholzigarette betäubt. Wieder aufgewacht, saß er in einem Reisebus zur westdeutschen Botschaft nach Wien. Ferworn behauptete in einem Interview mit dem „Neuen Deutschland“, dass er von „kaltblütigen Menschenhändlern“ gekidnappt wurde, die damit dem Ansehen der DDR schaden wollen. Ferworns Geschichte ist als „Menthol-Zigaretten-Story“ bekannt. Unter welchem Namen die Michael-Ballweg-Story in die Geschichte eingehen wird, ist noch nicht bekannt. Eine Möglichkeit ist „Freispruch minus 19,53 Euro“. Was bei Ferworn die Mentholzigarette war, ist bei Ballweg die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass es sich um keinen politischen Prozess gehandelt hätte. Ich gehe davon aus, dass das genauso wenige glauben wie damals die Mentholzigarette.

„Wer Nazi ist, bestimme ich.“

„Wer Nazi ist, bestimme ich.“ ist nicht von mir, sondern aus der taz. Zugegeben, es ist einige Zeit her. Genau war es das Jahr 1991. Ein aktuelles Graffito in meiner Straße fordert mich nun dazu auf, jeden Tag Nazis zu boxen. Die Vorsitzende der Grünen Jugend, Jette Nietzard, fragt sich gerade, wie „unser“ Widerstand gegen Nazis aussieht? Ob er nur intellektuell wäre, oder man „auch“ zu den Waffen greifen solle? Angesichts des Intellekts derjenigen, die der Meinung sind, dass sie bestimmen könnten, wer Nazi ist oder nicht, befürchte ich das Schlimmste.

Stroh im Kopf und jetzt auch im Toilettenpapier

Besser Stroh im Toilettenpapier als Insekten in der Nahrung, dachte ich mir. Ich kann auch erstmal nichts Negatives sagen über das für mich neue Produkt. Vielleicht so viel: An meinen Favoriten in Bulgarien kommt es natürlich nicht ran, alleine schon des Namens wegen: „Gran Finale“! – Nachdem ich nun eine Nacht drüber geschlafen habe, kommen mir Zweifel. Die kommen nicht von ungefähr, sondern von den Alpträumen, die ich letzte Nacht hatte. Dort sah ich nicht nur Esel, sondern auch Pferde, Schweine, Kühe und andere Haustiere nicht auf ihrem gewohnten Stroh liegen, sondern auf dem blanken Boden. Das bereitet mir Kopfzerbrechen, auch weil ich ähnliche Träume bei den Insekten, die uns vorgesetzt werden, nicht hatte. Das wäre ja nur allzu verständlich, dass ich mich um die sorge, die sich sonst von Insekten ernähren. – Heute morgen nun habe ich mich schlau gemacht und auf der Rückseite meines neuen Toilettenpapiers nachgesehen. Dort erfahre ich, dass nach jeder Getreide-Ernte ein Teil des Strohs auf den Feldern zurückbleibt. Sie schreiben es nicht explizit, aber genau dieser Teil wird wohl eingesammelt und zu Toilettenpapier verarbeitet. Wie genau sie es einsammeln, verraten sie zwar nicht, aber wenn sie’s schreiben, wird’s wohl stimmen. Die werden uns Konsumenten doch nicht belügen, oder?

Esel-verrückt

Der Esel vor meiner Tür – Ein Geschenk von Esel-verrückten Fahrgästen in meinem Taxi

Gerade habe ich den Esel vor meiner Tür neu bepflanzt, diesmal mit Lavendel – davor war es Heidekraut. Anlass ist das heutige erscheinen meiner „Bulgarien-Kolumne“ mit dem Titel „Esel-Exodus & Esel-Rallye“ auf der Seite der „Freien Akademie für Medien & Journalismus“ von Michael Meyen. In meinem Text geht es um den Exodus der Bulgaren und ihrer Esel, weshalb sowohl die Menschen als auch die Esel nach Bulgarien zurückkehren und warum auch Du nach Bulgarien gehen solltest. Vorausgesetzt Du bist ein Esel-Verrückter, von denen es immer mehr gibt. Und wenn Du noch nicht zu ihnen gehören solltest, hast Du jetzt die Möglichkeit einer zu werden.

Betr.: Russland ruinieren

Neulich wies mich ein Freund darauf hin, dass wir (genau die EU) mal wieder ein neues Sanktionspaket gegen Russland geschnürt haben, was ich spontan mit „Uns geht’s noch zu gut!“ kommentierte, denn offensichtlich schaden die Sanktionen uns mehr als Russland. Bei der Frage, wie viele Landsleute das genauso sehen, waren wir uns uneinig. Unbewusst vielleicht schon so einige – aber bewusst? Jedenfalls geht der Patient Deutschland nicht auf die Straße, obwohl er es längst sollte. Vermutlich muss das Land erst vollends zum Museum werden.